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E-Mobilität in China

E-Mobilität in China: Was mich wirklich beeindruckt hat

Von Martin Schober | Juni 2026

In den vergangenen Monaten, vor meiner Reise nach China, habe ich mich intensiv mit dem Thema Elektromobilität beschäftigt. Was Nachrichten und Informationen, die hier in Europa über China ankommen mit der Wirklichkeit in China zu tun haben, sollte dieser kurze Blog veranschaulichen:

Wer verstehen möchte, wie die Zukunft der Mobilität aussieht, sollte einen Blick nach China werfen. Insbesondere Shanghai entwickelt sich aktuell zum globalen Schaufenster für neue Mobilitätskonzepte, innovative Fahrzeugtechnologien und intelligente Infrastruktur.

Was dort entsteht, ist weit mehr als ein Trend. Es ist eine technologische Transformation, die bereits heute sichtbar macht, wie Mobilität in zehn oder fünfzehn Jahren aussehen könnte.

In Shanghai angkommen, mit der U-Bahn ins Zentrum und als ich an der 6 spurigen Straße im Zentrum stand hörte ich zuerst Vögel zwitschern… es gab keinen Autolärm, alles nur e-Motorräder und Mopeds, e-Autos und eine Ruhe, die ich in einer 20 Millionen-Stadt nie erwartet hätte.

Shanghai als Maßstab für die Elektromobilität

Shanghai ist nicht nur Chinas wirtschaftliches Zentrum, sondern auch das Herzstück der chinesischen E-Mobilitätsindustrie. Auf der Auto Shanghai werden jedes Jahr hunderte Innovationen vorgestellt – viele davon sind Jahre voraus gegenüber dem, was wir in Europa auf den Straßen sehen.

Die Zahlen sprechen für sich: Bereits mehr als die Hälfte aller Neuwagenverkäufe in China entfallen auf Elektro- oder Plug-in-Hybridfahrzeuge. Während in Europa noch über die Zukunft des Verbrennungsmotors diskutiert wird, hat sich in vielen chinesischen Städten die Elektromobilität bereits als Standard etabliert.

Dabei geht es nicht nur um Fahrzeuge. China verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz aus Fahrzeugen, Ladeinfrastruktur, Software, künstlicher Intelligenz und digitaler Vernetzung.

BYD: Vom Batteriehersteller zum Weltmarktführer

Besonders beeindruckt hat mich die Entwicklung von BYD.

Das Unternehmen produziert nicht nur Fahrzeuge, sondern entwickelt und fertigt einen Großteil der wesentlichen Komponenten selbst – von Batterien über Elektromotoren bis hin zu elektronischen Steuerungen. Diese hohe Wertschöpfungstiefe ermöglicht eine Geschwindigkeit und Kosteneffizienz, die viele westliche Hersteller nur schwer erreichen.

BYD zeigt eindrucksvoll, wie erfolgreich eine langfristige Strategie sein kann. Vom günstigen Stadtauto bis hin zu hochpreisigen Premium- und Sportfahrzeugen deckt das Unternehmen mittlerweile nahezu alle Marktsegmente ab.

Xiaomi und Huawei denken das Auto neu

Besonders spannend finde ich die Rolle der großen Technologiekonzerne.

Unternehmen wie Xiaomi oder Huawei betrachten ein Fahrzeug nicht mehr primär als Auto, sondern als Teil eines digitalen Ökosystems. Smartphone, Smart Home, künstliche Intelligenz und Fahrzeug verschmelzen zu einer einzigen Plattform.

Ein Nutzer kann beispielsweise seine Haussteuerung, Navigation, Kalender, Kommunikation und Fahrzeugfunktionen über eine gemeinsame Benutzeroberfläche verwalten. Das schafft eine Nutzererfahrung, die viele Kunden inzwischen genauso wichtig finden wie Motorleistung oder Reichweite.

Genau hier liegt aus meiner Sicht einer der größten Unterschiede zwischen chinesischen und europäischen Herstellern: Das Auto wird zunehmend als vernetztes digitales Gerät verstanden.

NIO, Geely und die Suche nach neuen Konzepten

Auch andere Hersteller gehen innovative Wege.

NIO hat mit seinem Batteriewechsel-System einen völlig neuen Ansatz geschaffen. Statt lange an einer Ladesäule zu warten, wird die Batterie innerhalb weniger Minuten automatisch getauscht.

Geely arbeitet bereits an Konzepten für autonom fahrende Robotaxis und investiert massiv in künstliche Intelligenz und autonome Fahrfunktionen.

Was mich dabei besonders beeindruckt: Viele Unternehmen experimentieren parallel mit unterschiedlichen Technologien und Geschäftsmodellen. Innovation wird nicht nur geplant – sie wird aktiv ausprobiert.

Taxifahren – ich nutzte die App DIDI – war ein echtes Erlebnis. DIe chinesischen e-Autos sind geräumig, qualitativ, vom Rücksitz aus betrachtet sehr gut verarbeitet und die Annehmlichkeiten, wie selbst-schließende Türen mit Handbewegung, verglaster Himmel um die Wolkenkratzer sehen zu können und andere Gimmicks die einem zum Schmunzeln bringen. Maps-Apps die die Dauer der rot- und grün Phasen anzeigen, LED-Schime, wo man seine Laptop koppeln kann, usw.

Die Ladeinfrastruktur als entscheidender Erfolgsfaktor

Einer meiner häufigsten Kritikpunkte an Elektrofahrzeugen ist die Ladeinfrastruktur. In China verliert dieses Argument zunehmend an Bedeutung.

Das Land verfügt inzwischen über das weltweit größte Ladenetzwerk und baut dieses mit enormer Geschwindigkeit weiter aus. Neue Schnellladestationen entstehen entlang von Autobahnen, in Städten und sogar in ländlichen Regionen.

Für den Nutzer bedeutet das vor allem eines: Planungssicherheit.

Wer jederzeit laden kann, macht sich deutlich weniger Gedanken über Reichweite oder Ladezeiten. Und laden kann man dort überall.

Laden während der Fahrt – Zukunft oder bald Realität?

Besonders fasziniert hat mich ein Bereich, der noch vor wenigen Jahren nach Science-Fiction klang.

In China werden bereits Pilotprojekte getestet, bei denen Elektrofahrzeuge während der Fahrt induktiv geladen werden. Dabei befinden sich spezielle Spulen unter dem Straßenbelag, die Energie drahtlos an das Fahrzeug übertragen.

Teilweise werden diese Systeme sogar mit Solarenergie kombiniert. Die Straße wird dadurch nicht nur Verkehrsweg, sondern gleichzeitig Energiequelle und intelligente Infrastruktur.

Noch sind wir von einer flächendeckenden Umsetzung entfernt. Dennoch zeigt die Entwicklung, in welche Richtung gedacht wird: Mobilität, Energieversorgung und Digitalisierung wachsen zunehmend zusammen.

Was bedeutet das für Europa?

Die Entwicklungen in China sollten nicht als Bedrohung verstanden werden, sondern als Lernchance. Das vergessen leider viele bei uns. Auch eine Entbürokratisierung wäre wünschenswert, um Ideen schneller umsetzen zu können.

Europa verfügt über hervorragende Ingenieure, hohe Qualitätsstandards und starke Industrieunternehmen. Gleichzeitig zeigt China eindrucksvoll, wie wichtig Geschwindigkeit, Innovationsbereitschaft und ein vernetztes Denken sind. Was bei uns in 5 Jahren passiert, geschieht in China in einem .

Die Zukunft der Mobilität wird nicht allein durch bessere Motoren oder größere Batterien entschieden. Sie wird durch Software, künstliche Intelligenz, digitale Ökosysteme und intelligente Infrastruktur geprägt.

Genau deshalb lohnt sich der Blick nach China. Vor allem die digitalen Ökosysteme sind einen Blick wert. Ich China ist das bald Realität:

Ich sitze im Auto, das teilautonom fährt und wegen einer Verzögerung komme ich 20min später nach Hause. Das Auto hat da bereits dem Reiskocher und dem Herd, sowie der Kaffeemaschine mitgeteilt und diese reagieren dementsprechend.

Mein Fazit

Nach meinen Recherchen vor Ort und Gesprächen mit Herstellern, Nutzern und Spzialisten bleibt für mich eine zentrale Erkenntnis:

Die Elektromobilität entwickelt sich nicht mehr nur über das Fahrzeug selbst. Sie entwickelt sich über das Zusammenspiel von Technologie, Infrastruktur, Energieversorgung und digitaler Vernetzung.

China hat diesen Wandel früh erkannt und setzt ihn mit beeindruckender Geschwindigkeit um.

Wer verstehen möchte, wie Mobilität in zehn Jahren aussehen könnte, sollte die Entwicklungen in Shanghai, Shenzhen und anderen chinesischen Technologiezentren aufmerksam verfolgen.

Ich werde das Thema jedenfalls weiter beobachten – denn vieles von dem, was wir heute dort sehen, könnte morgen bereits unseren Alltag prägen.


Martin Schober
IT-Security Architect | AI Consultant | ISO 27001 Senior Lead Auditor | ECSA

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