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Technologie-Trends aus China

Technologie-Trends aus China: Was Europa in den nächsten Jahren erwartet

Persönliche Eindrücke aus den Flagship Stores in Shanghai, Chengdu, Xian – Juni 2026

Während meines Aufenthalts in Shanghai, Chengdu und Xian habe ich zahlreiche Flagship Stores von Xiaomi, Huawei, Honor, OPPO, Vivo und OnePlus besucht. Was ich dort gesehen habe, hat mich beeindruckt – nicht nur als IT-Spezialist, sondern auch als jemand, der seit vielen Jahren technologische Entwicklungen beobachtet und selbst viel mit KI arbeitet.

Eines wurde schnell klar: Chinesische Hersteller sind längst keine Nachahmer mehr. Sie setzen Trends, definieren neue Produktkategorien und bringen Innovationen auf den Markt, die wir in Europa oft erst ein bis zwei Jahre später sehen.

Wer verstehen möchte, wohin sich Smartphones, künstliche Intelligenz und digitale Ökosysteme entwickeln, sollte heute nach China schauen.


Foldable Smartphones: Der nächste Massenmarkt entsteht

Vor wenigen Jahren galten faltbare Smartphones noch als technische Spielerei für Technik-Enthusiasten. In Shanghai sieht die Realität mittlerweile ganz anders aus.

Nahezu jeder große Hersteller stellt Foldables in den Mittelpunkt seines Produktportfolios. Besonders beeindruckend war für mich, wie ausgereift diese Geräte inzwischen geworden sind.

Das aktuelle Honor Magic V6 beispielsweise ist zusammengeklappt kaum dicker als ein klassisches Smartphone. Die sichtbare Falte im Display wird immer kleiner und viele Hersteller arbeiten bereits an nahezu faltenfreien Displays.

Warum Foldables erfolgreich werden

Die Hersteller haben erkannt, dass Nutzer nicht nur ein faltbares Display möchten, sondern echte Produktivität.

Die neuen Geräte bieten:

  • Smartphone und Tablet in einem Gerät
  • Große Arbeitsfläche für Business-Anwendungen
  • Hochwertige Kamerasysteme
  • Lange Akkulaufzeiten
  • Vollständige Wasser- und Staubresistenz

Mein Eindruck: Spätestens 2027 werden Foldables in Europa den Sprung vom Premium-Nischenprodukt zum Massenmarkt schaffen.


KI wird zum digitalen Assistenten – und bald zum digitalen Mitarbeiter

Das eigentliche Highlight meines Besuchs war jedoch nicht die Hardware.

Es war die Art und Weise, wie künstliche Intelligenz inzwischen in die Geräte integriert wird.

Während wir in Europa oft noch über Chatbots und Textgeneratoren sprechen, entwickeln chinesische Hersteller bereits die nächste Generation: sogenannte Agentic AI.

Diese KI-Systeme beantworten nicht nur Fragen.

Sie handeln.

Sie organisieren Termine, buchen Reisen, verwalten E-Mails, erstellen Aufgabenlisten und treffen eigenständig Entscheidungen innerhalb definierter Rahmenbedingungen.

Das Smartphone wird zum persönlichen Assistenten

Besonders weit ist hier Honor.

Der neue KI-Agent kann bereits heute tausende Alltagssituationen unterstützen und komplexe Abläufe selbstständig ausführen.

Huawei verfolgt einen ähnlichen Ansatz mit HarmonyOS. Dort arbeitet die KI nicht nur auf dem Smartphone, sondern übergreifend auf Tablets, Smartwatches, Fahrzeugen und Smart-Home-Geräten.

Die Folge:

Das Smartphone wird zunehmend zur zentralen Steuerungseinheit des digitalen Lebens.


Das „Robot Phone“ – die nächste Gerätekategorie?

Eine der spannendsten Innovationen war für mich das sogenannte Robot Phone von Honor, das ich im Flagship-Stor in Chengdu gesehen habe.

Dabei handelt es sich nicht einfach um ein weiteres Smartphone.

Die Kamera ist auf einem beweglichen Gimbal-System montiert und kann automatisch Bewegungen verfolgen, Videos stabilisieren oder Objekte erkennen.

Was zunächst futuristisch klingt, könnte schon bald eine völlig neue Gerätekategorie schaffen.

Ähnlich wie Foldables vor einigen Jahren werden solche Geräte zunächst im Premiumsegment starten und später breitere Märkte erreichen.


Chinesische Hersteller greifen den Laptop-Markt an

Ein weiterer Trend wurde in den Stores deutlich sichtbar:

Die Hersteller verkaufen keine Einzelgeräte mehr.

Sie verkaufen komplette Ökosysteme.

Smartphone, Tablet, Laptop, Smartwatch und Kopfhörer arbeiten nahtlos zusammen.

Dateien werden automatisch synchronisiert, Anrufe können zwischen Geräten übernommen werden und Anwendungen laufen über mehrere Geräte hinweg.

Insbesondere Xiaomi, Huawei und Honor investieren massiv in diesen Bereich.

Der Ansatz erinnert an das Apple-Ökosystem – allerdings häufig zu deutlich niedrigeren Preisen und mit mehr Blick auf den Nutzen für den Benutzer.


Wearables und Audio: Erstaunlich hohe Qualität

Besonders überrascht hat mich die Qualität moderner Kopfhörer und Smartwatches.

Hier ist vor allem Shokz zu nennen – während bei uns die OpenRun gehypt werden (die ich für mein Training probiert habe, die für mich aber unpraktisch waren), nutzen viele in China bereits die OpenDots 2, die ich nach dem Testen gar nicht mehr abnehmen wollte, weil ich vergessen habe, dass ich Kopfhörer trage… und damit herumspringen, sprinten und hüpfen ist kein Problem.

Viele Produkte erreichen mittlerweile ein Niveau, das sich problemlos mit etablierten Premium-Marken messen kann.

Gleichzeitig werden KI-Funktionen direkt integriert:

  • Automatische Übersetzungen
  • Gesundheitsanalysen
  • Kontextbezogene Sprachassistenten
  • Intelligente Gerätesteuerung

Die Grenze zwischen Smartphone, Wearable und persönlichem Assistenten beginnt zunehmend zu verschwimmen.


5G-Advanced und Satellitenkommunikation

Auch beim Thema Konnektivität wird bereits die nächste Stufe vorbereitet.

In China wird intensiv an 5G-Advanced gearbeitet – der Weiterentwicklung des heutigen 5G-Standards.

Zusätzlich integrieren immer mehr Hersteller Satellitenkommunikation in ihre Geräte.

Damit können Nutzer selbst dann Nachrichten senden oder Notrufe absetzen, wenn kein Mobilfunknetz verfügbar ist.

Was heute noch als Premiumfunktion gilt, könnte in wenigen Jahren zum Standard werden.


Huawei ist zurück

Besonders interessant war die Entwicklung von Huawei.

Viele Beobachter hatten das Unternehmen nach den internationalen Sanktionen bereits abgeschrieben.

In Shanghai zeigte sich jedoch ein anderes Bild.

Huawei verfügt inzwischen wieder über eine beeindruckende Produktpalette und investiert massiv in eigene Chips, eigene Software und eigene KI-Technologien.

Der neue Fokus auf technologische Unabhängigkeit ist überall sichtbar.

Das neue Patent, mit einem 3-fach foldable Smartphone ist da gerade in aller Munde. Ich bin gespannt, ob Huawei das Gerät rausbringt – Europäer sind da skeptisch, Chinesen planen schon fix damit… interessant 🙂

Huawei wirkt heute deutlich stärker und strategischer aufgestellt als noch vor einigen Jahren. Auch im Bereich IT-Security, aber dazu mehr in einem weiteren Beitrag.


Was bedeutet das für Europa?

Aus meiner Sicht lassen sich drei zentrale Entwicklungen erkennen:

Hardware wird intelligenter

Nicht die Leistung des Prozessors steht im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeit eines Gerätes, den Nutzer aktiv zu unterstützen.

KI wird zum Kaufargument

In Zukunft wird die Frage nicht mehr lauten:

„Wie viele Megapixel hat die Kamera?“

Sondern:

„Welche Aufgaben kann die KI für mich übernehmen?“

Ökosysteme werden wichtiger als Einzelprodukte

Smartphone, Laptop, Auto, Smart Home und Wearables wachsen zunehmend zusammen.

Die Hersteller, die diese Vernetzung am besten beherrschen, werden die Gewinner der nächsten Jahre sein.


Mein Fazit

Nach meinem Besuchen in den Flagship-Stores in Shanghai, Chengdu und Xian bin ich überzeugt:

Die spannendsten Innovationen der kommenden Jahre entstehen derzeit in China.

Foldables werden den Mainstream erreichen. Was wiederum kleinen Pads den Rang kosten wird.

Agentic AI wird unsere tägliche Arbeit verändern.

Und digitale Ökosysteme werden wichtiger als einzelne Geräte.

Für Unternehmen, Händler und IT-Verantwortliche in Europa bedeutet das vor allem eines:
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese Entwicklungen zu beobachten und zu verstehen.

Denn vieles von dem, was heute in China vorgestellt wird, werden wir in Europa in den nächsten ein bis drei Jahren wiedersehen.


Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

TrendErwartung für Europa
Foldable SmartphonesBreite Marktdurchdringung bis 2027
Agentic AIKI wird zum zentralen Kaufargument
Robot PhonesNeue Produktkategorie ab 2026/2027
Geräte-ÖkosystemeStärkere Kundenbindung durch Vernetzung
5G-AdvancedNeue Anwendungen und höhere Leistungsfähigkeit
SatellitenkommunikationZunehmend Standard in Premiumgeräten
Huawei-ComebackMehr Wettbewerb im europäischen Markt

Martin Schober
IT-Security Architect | AI Consultant | ISO 27001 Senior Lead Auditor | ECSA

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